Was ist eine Bonitätsprüfung beim Stromanbieter?
Die Bonitätsprüfung ist eine Risikoeinschätzung des Anbieters, mit der er vor Vertragsabschluss prüft, wie zuverlässig Sie voraussichtlich zahlen. Sie ist gesetzlich nicht vorgeschrieben — jeder Anbieter entscheidet selbst, ob und wie streng er prüft. Der Grundversorger darf Sie wegen eines negativen Scores nicht ablehnen.
Sie haben versucht, einen Stromvertrag abzuschließen, und plötzlich hieß es: „Wir können Ihnen leider kein Angebot machen"? Oder Sie fragen sich vorab, ob Ihre Schufa für einen regulären Tarif überhaupt reicht?
Dann sind Sie hier richtig. Auf dieser Seite erkläre ich Ihnen Schritt für Schritt, was eine Bonitätsprüfung beim Stromanbieter ist, warum sie überhaupt durchgeführt wird, wann sie entfällt — und welche Wege Ihnen offenstehen, wenn sie nicht zu Ihren Gunsten ausfällt.
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Was eine Bonitätsprüfung beim Stromanbieter genau bedeutet
Eine Bonitätsprüfung ist ein Einschätzungsverfahren. Der Energieversorger will damit herausfinden, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie Ihre Abschläge und Rechnungen zuverlässig bezahlen.
Dafür nutzt der Anbieter in der Regel zwei Quellen:
- Ihre eigenen Angaben im Vertragsformular (Name, Adresse, Geburtsdatum, teils Beruf oder Haushaltsgröße)
- Auskunftsdaten von Wirtschaftsauskunfteien — vor allem der Schufa, je nach Anbieter auch von Creditreform, Boniversum oder CRIF/Infoscore
Auf Basis dieser Daten entsteht eine Risikoeinschätzung. Grob gibt es drei typische Ausgänge:
- Keine Auffälligkeiten. Sie bekommen den Wunschtarif zu normalen Konditionen.
- Erhöhtes Risiko. Der Anbieter verlangt eine Kaution, eine höhere Vorauszahlung oder bietet Ihnen nur einen Tarif mit Vorkasse an.
- Hohes Risiko. Der Anbieter lehnt Sie für seinen Sondertarif ab.
Wichtig zu wissen: Eine Bonitätsprüfung ist kein Urteil über Sie als Mensch. Es ist ein Risikokalkül auf Basis weniger Datenpunkte — nicht mehr und nicht weniger. Wie ein Anbieter bei einem negativen Eintrag tatsächlich entscheidet, hängt stark von seinem internen Regelwerk ab.
Warum Energieversorger überhaupt prüfen
Der Grund ist einfach: Bei Strom- und Gasverträgen geht der Versorger in Vorleistung.
Anders als im Supermarkt bezahlen Sie nicht sofort für das, was Sie beziehen. Sie zahlen monatlich einen Abschlag, und die genaue Abrechnung erfolgt erst nach Ihrem tatsächlichen Verbrauch — also mit mehreren Monaten Verzug. Während dieser Zeit liefert der Versorger Energie, bekommt aber noch kein Geld. Fällt der Kunde dann aus, trägt der Versorger den Ausfall.
Dieses Vorleistungsrisiko ist der eigentliche Grund für die Prüfung. Der Anbieter will nicht jeden Haushalt ablehnen, aber er will vermeiden, dass ein einzelner Vertrag für ihn zum Verlustgeschäft wird.
Für Sie bedeutet das: Die Prüfung ist kein Misstrauen gegen Ihre Person, sondern Teil des Geschäftsmodells in der Energiebranche.
So läuft eine typische Bonitätsprüfung ab
Der Ablauf ist in den meisten Fällen standardisiert:
- Sie beantragen einen Tarif — online, telefonisch oder über ein Vergleichsportal.
- Sie willigen in die Bonitätsabfrage ein. Das ist datenschutzrechtlich vorgeschrieben (DSGVO). Ohne Ihre Einwilligung darf der Anbieter keine Auskunft einholen.
- Der Anbieter fragt eine Auskunftei ab. Übermittelt werden in der Regel nur Name, Geburtsdatum und aktuelle Adresse.
- Die Auskunftei liefert ein Ergebnis. Eine Risikoklasse (Score) und, falls vorhanden, konkrete Negativmerkmale.
- Der Anbieter entscheidet. Vertrag zu normalen Konditionen, Vertrag mit Sicherheit, Vorkassetarif oder Ablehnung.
Was nicht übermittelt wird: Ihr Kontostand, Ihr Einkommen, Ihre Steuerdaten oder Ihre Bonität bei anderen Versorgern im Detail. Die Abfrage ist deutlich schmaler, als viele befürchten.
Wie dieser Ablauf technisch genau funktioniert und welche Daten konkret fließen, habe ich im Artikel „Wie läuft die Schufa-Auskunft bei Energieversorgern ab?" ausführlich beschrieben.
Automatisierte Sofortprüfung vs. manuelle Prüfung
Hier liegt der wichtigste Unterschied für Menschen mit Bonitätsproblemen.
1 Automatisierte Sofortprüfung
Sie läuft bei Online-Abschlüssen. Ein Algorithmus vergleicht Ihre Daten mit den hinterlegten Score- und Negativmerkmalen und entscheidet in Sekunden.
Vorteil: schnell und unkompliziert.
Nachteil: Es gibt keine Einzelfallbetrachtung. Ein einziger Eintrag kann zum automatischen Aus führen — auch wenn Ihre Situation inzwischen völlig anders aussieht.
2 Manuelle Prüfung
Sie findet bei vielen Anbietern statt, wenn die automatische Prüfung nicht eindeutig war oder Sie aktiv Unterlagen einreichen. Ein Mitarbeiter schaut sich dann Ihre Situation individuell an — zum Beispiel mit:
- Nachweisen über regelmäßige Einkünfte (Lohnabrechnung, Bürgergeldbescheid, BAföG)
- Bestätigung des Insolvenzverwalters bei laufender Privatinsolvenz
- Nachweis über eine bereits geleistete Kaution
Vorteil: Ihre tatsächliche Situation wird berücksichtigt.
Nachteil: Nicht jeder Anbieter bietet diesen Weg an, und es dauert länger. Wenn Sie in einer besonderen Lebenslage sind, lohnt es sich aber fast immer, gezielt nachzufragen, ob eine manuelle Prüfung möglich ist.
Wann keine Bonitätsprüfung stattfindet: die Grundversorgung
Es gibt einen Bereich, in dem die Bonitätsprüfung eine andere Rolle spielt: die Grundversorgung.
Jede Region in Deutschland hat einen Grundversorger. Dieser ist gesetzlich verpflichtet, jeden Haushalt im Netzgebiet zu versorgen — auch ohne positive Bonitätsprüfung. Die Grundlage dafür ist § 36 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Eine reine Score-Ablehnung ist hier grundsätzlich nicht vorgesehen.
Das klingt erstmal beruhigend — hat aber zwei Kehrseiten:
- Der Grundversorgungstarif ist häufig teurer als ein vergleichbarer Sondertarif am Markt.
- Der Grundversorger kann Sicherheiten verlangen, etwa eine Kaution, wenn in der Vergangenheit Zahlungsausfälle im Spiel waren.
Die Grundversorgung ist also der sichere Hafen, aber nicht automatisch der günstigste. Was das für Ihren Fall konkret bedeutet, hängt stark davon ab, ob Sie bereits Kunde beim Grundversorger sind oder neu einziehen. Die Details dazu finden Sie im Artikel Grundversorgung kündigen – Rechte, Pflichten und Wechselwege.
Was das für Sie konkret bedeutet
Wenn Sie bis hier gelesen haben, ist die wichtigste Botschaft vielleicht diese:
Eine ablehnende Bonitätsprüfung bedeutet nicht das Ende. Sie bedeutet nur, dass der reguläre Sondertarif dieses einen Anbieters nicht der richtige Weg für Sie ist.
Ihre realistischen Optionen sind:
- Beim Grundversorger bleiben oder neu einziehen. Keine Ablehnung wegen Bonität, aber meist höhere Kosten.
- Einen Tarif mit Vorkasse wählen. Sie zahlen vorab, der Anbieter hat kein Ausfallrisiko, oft bekommen Sie so Zugang zum Markt. Was dabei zu beachten ist, habe ich im Artikel „Vorkasse-Tarife erklärt" zusammengefasst.
- Gezielt nach Anbietern mit manueller Prüfung suchen. Mehr Aufwand, aber oft erfolgreich, wenn Sie Ihre Unterlagen vorbereiten.
Auf der Übersichtsseite Stromanbieter ohne Bonitätsprüfung finden Sie alle diese Wege im Zusammenhang — inklusive der Frage, welcher Weg für welche Lebenslage typischerweise passt.
Und noch etwas: Wenn ein Anbieter Sie ablehnt, haben Sie ein Recht darauf zu erfahren, welche Auskunftei die Entscheidung beeinflusst hat. Das ist ein wichtiger erster Schritt, wenn Sie Klarheit über Ihre eigene Datenlage wollen.
Häufige Fragen zur Bonitätsprüfung beim Stromanbieter
Nein. Der Grundversorger ist gesetzlich zur Versorgung verpflichtet und darf nicht allein wegen eines negativen Scores ablehnen. Bei Sondertarifen entscheidet jeder Anbieter selbst, ob und wie streng er prüft. Manche prüfen nur mit einer einfachen Adressabfrage, andere mit vollständiger Score-Abfrage.
Der Anbieter übermittelt Name, Geburtsdatum und Adresse an eine Auskunftei. Die Auskunftei speichert die Anfrage als sogenannte Konditionsanfrage. Diese Information ist für andere Anbieter nicht sichtbar — sie dient nur der internen Nachvollziehbarkeit. Ihre Kontobewegungen, Ihr Einkommen oder Ihre Steuerdaten werden nicht abgefragt.
Sie können die Einwilligung verweigern. Dann wird der Anbieter den Vertrag in der Regel aber nicht abschließen, weil er ohne Einwilligung keine Grundlage für die Prüfung hat. Eine Ausnahme ist die Grundversorgung: Hier greift die Versorgungspflicht. Eine Rechtsberatung im Einzelfall kann ich nicht leisten — bei Streitfragen sind Verbraucherzentralen oder ein Anwalt die richtige Adresse.
Die automatisierte Prüfung dauert in der Regel nur Sekunden. Eine manuelle Prüfung kann mehrere Werktage in Anspruch nehmen, weil Unterlagen gesichtet und bewertet werden müssen. Planen Sie das ein, wenn Sie unter Zeitdruck umziehen müssen.
Erstens: nachfragen, welche Auskunftei die Entscheidung beeinflusst hat. Zweitens: prüfen, ob die dort gespeicherten Daten korrekt sind — Fehler kommen vor und können korrigiert werden. Drittens: die Wege über Grundversorgung, Vorkasse oder Anbieter mit manueller Prüfung nutzen. Wenn Sie unsicher sind, welcher Weg zu Ihrer Situation passt, hilft ein persönliches Gespräch mehr als jede allgemeine Checkliste.
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